„Echtes, berührendes Erinnern!“ Schüler aus der Realschule Neubiberg zum Lernen an Biografien im Diakoniedorf Herzogsägmühle der Diakonie München-Oberbayern

Foto: Melanie Daniel

Am 16. April 2026 machten wir uns, die evangelischen Schüler und Schülerinnen der 9. Klasse und ein Teil der 8. Klasse, gemeinsam auf den Weg ins Diakoniedorf Herzogsägmühle bei Landsberg am Lech. Auf den ersten Blick wirkt Herzogsägmühle wie ein ganz normales bayerisches Dorf. Mit Kirche, Maibaum, Gärtnerei und freundlichen Menschen. Und doch trägt dieser Ort eine schwere Geschichte in sich. Denn während der NS-Zeit wurden hier tausende Menschen festgehalten, die das Regime als nicht nützlich für die Gesellschaft betrachtete. Menschen, die arm waren, die keinen festen Wohnsitz hatten - und die dafür mit ihrer Freiheit, oft sogar mit ihrem Leben bezahlten.

Die Historikerin Babette Müller-Gräper begrüßte uns sehr herzlich und führte uns über das Gelände und zeigte uns das Denkmal, das an diese vergessenen Menschen erinnert. Wir erfuhren ihre Geschichten, arbeiteten ihre Biografien auf - und plötzlich hatten diese Namen Gesichter. Das war kein Geschichtsunterricht aus dem Lehrbuch. Das war echtes, berührendes Erinnern.

Heute ist Herzogsägmühle ein lebendiges Sozialdorf in Trägerschaft der Diakonie München-Oberbayern, das Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein Zuhause und Arbeit bietet. Mit Werkstätten, einer Gärtnerei, Wohnhäusern und sozialen Einrichtungen zeigt der Ort, wie aus einem Ort des Unrechts ein Ort der Menschlichkeit werden kann.

Genau das spürten wir beim Besuch der Gärtnerei, wo uns der freundliche Gärtner viel über den Anbau verschiedener Gemüse- und Obstsorten erklärte – und nach den ersten Eindrücken zuvor tat dieses Stück gelebter Alltag richtig gut.

Den Abschluss bildete ein Reisesegen durch Diakon Matthias Lösch in der Martinskirche – ein stiller, passender Abschluss für einen Tag, der uns gezeigt hat: Geschichte ist nicht einfach vorbei. Sie lebt in Orten wie diesem – und es liegt an uns, hinzuschauen.

Dass dieser Ausflug möglich war, verdanken wir auch der Aktion „Fahr doch einfach hin!“ der Diakonie Bayern, die das Projekt aus Spenden- und Kollektenmitteln der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern finanziell unterstützt hat. Eine Unterstützung, für die wir sehr dankbar sind - denn der Ausflug hat sich mehr als gelohnt. Für alle, die dabei waren, war es ein Tag, den man so schnell nicht vergisst.

Abschließend möchten wir uns nochmals ausdrücklich dafür bedanken, dass Sie die Idee hatten, bayernweit diakonischen Lernorte ins Leben zu rufen. Für uns alle ist daraus ein sehr großer Mehrwert entstanden.

25/04/26

Melanie Daniel, Lehrkraft für Evangelische Religion und Kollegin Julia Eisgruber, Staatlichen Realschule Neubiberg

 

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